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Strategische Impulse: Vorstandstage 2025 setzen klare Akzente

veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 12/2025

Unsere Vorstandstage 2025 in Rastede deckten wieder ein breites Themenspektrum ab: Im Fokus standen Themenschwerpunkte für die Strategiearbeit 2026, Ansätze, um Digitalisierung und KI in die Praxiswirksamkeit zu bringen sowie rechtliche und regulatorische Entwicklungen – alles Themen, die die Transformation im Finanzsektor prägen.

 © GVWE
In der Podiumsdiskussion, moderiert durch Verbandsdirektor Axel Schwengels (r.), gab Andre Kasten, Raiffeisen-Volksbank eG, (l.) Praxiseinblicke

Im November 2025 fanden in Rastede unsere jährlichen GVWE-Vorstandstage mit zwei inhaltsgleichen Veranstaltungen statt. Im Austausch mit den Vorständen unserer Mitgliedsbanken wurden zentrale Zukunftsthemen der Branche behandelt. Die Veranstaltungen sind – wie das sehr gute Feedback belegt – besonders wertvoll, weil neben den Fachvorträgen breiter Raum für offene Diskussionen und vertrauensvollen Erfahrungsaustausch geboten wird. Im Mittelpunkt standen erneut strategische Weichenstellungen für unsere genossenschaftliche FinanzGruppe, technologische Entwicklungen sowie rechtliche und regulatorische Neuerungen.

Schwerpunkte der Strategiearbeit 2026

Den Auftakt bildete die Vorstellung der Themenschwerpunkte der Strategiearbeit 2026. Verbandsdirektor Johannes Freundlieb skizzierte zunächst die zentralen Inhalte aus dem Bundesweiten Strategieportfolio (BSP), das unter Federführung der Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) die zentralen strategischen Initiativen der genossenschaftliche Finanzgruppe (GFG) bündelt und Lösungen für die Genossenschaftsbanken entwickelt; Initiativen wie das neue Betriebsmodell und der KI-Einsatz in der GFG wurden anschließend im Programm vertiefend aufgegriffen, Impulse gab es auch für die Initiative GFG-Informationsmanagement, die aktuell adressatengerecht neugestaltet wird. Als zweiten Schwerpunkt informierte Freundlieb über die Ziele und den Status quo im BVR-Projekt Geno Next Level: Die angestrebte Weiterentwicklung der Institutssicherung inkl. der SE-Gremienstruktur, das geplante gruppenweite Risiko- und Finanzmanagement und der im Entwurf befindliche Vorstands- und Aufsichtsrats-Kodex der GFG boten reichlich Stoff für angeregte Diskussionen.

Neues Betriebsmodell (nBM) – Gemeinsam fit für die Zukunft mit Digitalisierung und Automatisierung

Ein zentrales Transformationsthema war das neue Betriebsmodell (nBM), präsentiert von Louis-Ferdinand Rey (Atruvia AG). Das nBM ist eine der Top-Initiativen des oben genannten BSP. Ziel ist die Entwicklung von effizienteren, automatisierten und fallabschließenden Prozessen und Lösungen durch die Atruvia gemeinsam mit weiteren Verbundpartnern; diese Prozessewerden regulatorisch konform und prüfungssicher sukzessive für die Genossenschaftsbanken bereitgestellt. Als kritische Erfolgsfaktoren arbeite Rey heraus, (1) die bankindividuellen Ziele der Transformation in der Geschäfts- und Risikostrategie zu verankern, (2) die organisatorischen Rahmenbedingungen zu schaffen, (3) die kulturellen Rahmenbedingungen zu schaffen und (4) automatisierte und fallabschließende Prozesse und Lösungen einzuführen.  

Verstärkt wurde die aufgezeigte Notwendigkeit, in ein strukturiertes und systematisches Umsetzungsprozedere zu kommen, in der sich anschließenden Podiumsdiskussion zum nBM.  Im Mittelpunkt stand das Spannungsfeld zwischen Standardisierung und Individualität: Standardisierung ist die Voraussetzung für die notwendige Automatisierung und damit der Schlüssel für höhere Effizienz, zugleich besteht der Wunsch und die Notwendigkeit der Banken, für ihre Kunden individuell erlebbar zu bleiben.  Ebenso wurde erörtert, inwieweit das nBM dazu beitragen kann, den sich künftig verschärfenden Arbeits- und Fachkräftemangel abzufedern und die Arbeitgeberattraktivität durch Automatisierung von manuellen Tätigkeiten zu steigern. Die Referenten stellten die Zusammenhänge zwischen dem n BM und dem – ebenfalls als Top-BSP-Initiative deklarierten - strategischen Personalmanagement dar und beleuchteten insbesondere die Integration von Künstlicher Intelligenz. Darüber hinaus ging es um die praktische Umsetzung des nBM: Empfohlen wird, mit der Standortanalyse im Rahmen des Orientierungsdialogs in das neue Betriebsmodell zu starten;  zu den Unterstützungsleistungen unseres Verbandes gehört die Aufnahme des nBM-Themas in die bereits existierenden OKP-Circle, in denen bereits 43 Banken in unterschiedlichen Umsetzungsgeschwindigkeiten aktiv sind. Ein weiterer Schwerpunkt war das mit dem nBM verbundene Change-Management:  Die Bankvorstände schilderten, wie sie die Transformation in ihren Häusern organisieren und welche positiven Auswirkungen ein professionelles Transformationsmanagement haben kann.  Im ersten Durchgang diskutierten Heiko Frohnwieser und Matthias Osterhues von der Oldenburger Volksbank eG neben Louis-Ferdinand Frey und Dr. Gerhard Kroon unter der Moderation von Verbandsdirektor Axel Schwengels, im zweiten Durchgang übernahm André Kasten von der Raiffeisen-Volksbank eG Aurich, den Part für Heiko Frohnwieser.

Künstliche Intelligenz – Ein Weg in die Praxiswirksamkeit …

… zeigte Nils Ciach als Digital Officer der Ostfriesische Volksbank eG, Leer, auf. Seine Einblicke in die praktische Nutzung von KI in einer Regionalbank widmeten sich den umsetzungsföderlichen bankindividuellen Rahmenbedingungen, der Wissensvermittlung zur KI-Nutzung und den gewonnenen Praxiserfahrungen. KI wird als strategischer Erfolgsfaktor verstanden und ist strategisch fest verankert.  Herausforderungen wie Datenschutz, Urheberrecht, Halluzinationen und Deep Fakes werden aktiv adressiert. Die Bank setzt auf einen „Human-in-the-loop“-Ansatz, um die Verantwortung letztlich beim Menschen zu belassen. Bereits vor Jahren wurde ein KI-Kernteam etabliert, das Leitplanken definiert und agile Projekte („KI-Fastlane“) initiiert hat. Neue Rollen wie KI-Manager und KI-Beauftragter sind entstanden. Praktische Anwendungen reichen von den bekannten Atruvia-Tools bis hin zu externen Spezialanwendungen. Formate wie „Promptathon“ und freiwillige Webinare fördern die Akzeptanz bei Mitarbeitenden. Mit der abschließenden Botschaft „Wir sind auf der Reise und nicht am Ziel …“ schloss Ciach seine Praxiseinblicke – und war anschließend ein gefragter Partner für viele bilaterale Gespräche.

Standardisierung in der Gesamtbanksteuerung? Ein Plädoyer für Effizienz!

Guido Jaskulska, Teamleiter Unternehmensberatung, griff einleitend die Dimensionen Proportionalität (was ist angemessen?), Effektivität (die richtigen Dinge tun) und Effizienz (die Dinge richtig tun) auf, um hieraus ein sehr differenziertes Bild für die (weitere) Standardisierung in der Gesamtbanksteuerung zu entwickeln. Besonders intensiv diskutiert wurden die Ergebniswirkungen aus dem neuen Marktrisikomodell, welche durch die Einführung des festen Zwei-/Dreijahreszeitraums aus Banksteuerungsperspektive exorbitante Höhen erreicht haben. Die damit verbundenen möglichen Auswirkungen für die bankindividuelle geschäftspolitische Ausrichtung werden auch über die zuständigen Gremien unseres Verbandes weiterverfolgt, um sachgerechtere Lösungen zu befördern.

Aktuelle Rechts- und Steuerfragen

Dr. Joosten Juncker, Leiter Rechtsberatung, informierte schwerpunktmäßig über typische Verläufe aktueller Betrugsfälle im Zahlungsverkehr und der damit einhergehenden jüngsten Rechtsprechung.  Weitere Themen waren die Entwicklung neuer Einwilligungserklärungen zur werblichen Datenverarbeitung, für die sich nach längerem Hin und Her nun endlich die Umsetzung einer Sonderlösung für Niedersachsen abzeichnet, sowie die jüngste Zustimmungskampagne in der GFG aus Anlass der Instant Payment Verordnung und weiterer vertraglicher Änderungen.

Uwe Pietzonka, Leiter Steuerberatung, beleuchtete neben aktuellen einzelnen steuerrechtlichen Sachverhalten grundsätzlich steuerliche Aspekte von Bankfeierlichkeiten und die Mitgliederförderung aus steuerlicher Sicht – beides mit einer Fülle praktischer Empfehlungen.

Update Regulatorik und Prüfung

Stefan Grüterich, Prüfungsdienstleiter Genossenschaftsbanken, gab in gewohnter – und gewünschter – Manier ein Update zu regulatorischen Anforderungen und zur Prüfung. Der thematische Bogen reichte vom Fit and Proper-Rundschreiben der BaFin über die derzeit mit der Aufsicht diskutierte Novellierung der MaRisk und Erkenntnissen aus aktuellen Sanierungs- und Präventionsfällen auf BVR-Ebene bis hin zu Auswirkungen der CRR III-Umsetzung, CSRD-Berichterstattungspflichten, IT-Regulatorik und operativen Prüfungsfragen.

Sehr gutes Feedback

Mit den Vorstandstagen 2025 hat unser Verband erneut nahezu alle Mitgliedsbanken erreicht. Der hohe Zuspruch und das sehr gute Teilnehmenden-Feedback unterstreichen die hohe Attraktivität dieses Formats und die Verbundenheit der Mitgliedsbanken mit „ihrem Verband“.